1996-2000 PR-Betrieb

Neue Betriebsräume

Die Betriebsräume lagen im Souterrain eines Bürohauses. Die Mitarbeiter mussten sich mit längeren Wegen zwischen den Arbeitsplätzen abfinden. Ein Rufen direkt vom Büro in die Produktion, „Mach mal schnell, der Kunde kommt gleich...“, war nicht mehr möglich. Mit den paar Maschinchen, die das Unternehmen besaß, waren die Räume noch ziemlich leer. Selbst die Mitarbeiter fragten sich, ob die Entscheidung für diese großen Räume die richtige war.

Die Unternehmenskrise

1996 fiel das Umsatzwachstum nicht so stark aus wie ursprünglich kalkuliert, das Unternehmen hatte sich übernommen – das Ende des Unternehmens stand vor der Tür. Der Inhaber Andreas Contag hatte endlos schlaflose Nächte, denn er wusste, was für seine Mitarbeiter und seine Familie auf dem Spiel stand. Die persönliche Existenz war immens bedroht, denn gescheiterte Unternehmer erhalten kein Arbeitslosengeld und für die Rente war ja auch noch nichts eingezahlt. Und dann waren da noch die vier kleinen Kinder – und die Schulden.

Nach sechs Wochen persönlichen Leidens musste er den Mitarbeitern die Fakten offenbaren. Jedem wurde in einem Einzelgespräch die Situation geschildert und die Kündigung ausgesprochen. Die Tränen flossen reichlich, war man doch eine eingeschworene Mannschaft, die nun zerbrach.

Am nächsten Tag jedoch schien die Sonne und die Mitarbeiter waren sich einig: „Sag uns, wie wir mehr Aufträge bekommen! Wir arbeiten auch ohne Lohn!“ – Fassungslosigkeit beim Chef. Schnell hatte er einen „Schlachtplan“ ausgearbeitet. Die Produktionsmitarbeiter griffen zum Telefon und warben bei Elektronik-Unternehmen. Man hatte mit großem Glück einen Volltreffer gelandet. Ein hochkarätiges Unternehmen aus der Automobilbranche suchte einen Hersteller, der schnell liefern konnte. Zahlreiche Aufträge folgten, Überstunden machten alle gerne, manch einer ging erst nach 32 Stunden Arbeitsfleiß nach Hause.

Nach wenigen Monaten konnte das Gehalt inklusive Dankesprämie nachgezahlt werden. Während dieser Zeit hatten die Mitarbeiter gelernt, wie direkter eigener Einsatz und Engagement zum Bestand des Unternehmens und des Arbeitsplatzes beiträgt. Andreas Contag erfuhr auf eindrucksvolle Weise, wie sehr es sich lohnt, sich immer für Fairness und persönlichen Umgang mit Mitarbeitern einzusetzen. Diese Krisenzeit war sehr lehrreich, es wurden viele Schlussfolgerungen gezogen und grundlegende Maßnahmen eingeleitet, damit dieses Erlebnis für alle Beteiligten einmalig bleibt.

Investitionen

Ab 1998 wurde wieder viel investiert. Die Maschinen wurden größer, moderner und teurer. Bei den Investitionsplanungen musste auf die Größe der Maschinen geachtet werden, denn zur Einbringung standen nur schmale Türen und Fenster zur Verfügung. Auf den Fachmessen rief unsere erste Frage nach der Größe der Maschine regelmäßiges Grinsen hervor, danach erst wurde über Technologie und Preis gesprochen.

Produktionsstart von Multilayern

Die Aufnahme der Fertigung von mehrlagigen Leiterplatten (Multilayern) war ein Meilenstein in der Unternehmensentwicklung. Die Produktionsmitarbeiter mussten sich in die aufwändigere Verfahrenstechnik einarbeiten und Erfahrungen sammeln. Für den Vertrieb eröffnete sich ein viel größeres Kundenpotenzial, schließlich sind je nach Abnehmer-Branche 30-60% aller Leiterplatten Multilayer. Ein weiteres, kräftiges Umsatzwachstum war die Folge.

Berliner Umweltpreis 1999

Das Unternehmen wurde im März 1999 mit dem Berliner Umweltpreis ausgezeichnet. Die Urkunde wurde von Senator Strieder in einem feierlichen Festakt im Roten Rathaus überreicht. Die Jury befand, dass das Unternehmen mit dem in Europa einmaligen Fertigungsverfahren der „abwasserfreien Leiterplattenproduktion“ eine unter ökologischen Gesichtspunkten herausragende Leistung vollbracht hat.




Die Spülabwässer, die in größeren Mengen bei den chemischen Prozessen anfallen, konnten durch Prozessoptimierungen derart minimiert werden, dass kein Wasser mehr aus der Produktion in die Kanalisation eingeleitet werden musste und die Einleitstelle versiegelt werden konnte. Dieses Ergebnis hatte in der Branche vorher niemand für möglich gehalten.

 

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